Die Geschichte des Raphaels-Werkes

Das Raphaels-Werk wurde 1871 von Peter Paul Cahensly als >>Verein zum Schutze Katholischer Auswanderer<< gegründet. Namensgeber ist der Erzengel Raphael, der als Schutzengel der Reisenden gilt. Im 19. Jahrhundert verließen jährlich bis zu 250.000 Menschen das Deutsche Reich, um in die USA und nach Kanada, aber auch nach Südamerika und Australien auszuwandern.
Rücksichtslose Agenten bereicherten sich auf Kosten der Auswanderer schon vor deren Abreise, die Auswandererschiffe waren oft unzureichend ausgerüstet. Viele Menschen starben während der Überfahrt. Cahensly, ein Limburger Kaufmann, erkannte die Not der Auswanderer und setzte sich für deren Rechte ein. Er gründete 1871 auf dem Katholikentag in Mainz den St. Raphaels-Verein, der 1878 von Papst Leo XIII die päpstliche Anerkennung erhielt.

Sicherheit und Begleitung auf dem Weg in die neue Heimat
Die Arbeit des St. Raphaels-Vereins beruhte auf dem Engagement katholischer Laien. Auswanderer erhielten bereits in ihrer Heimat Informationen über Einwanderungsländer, die ab 1886 in der Vereinszeitung >>St. Raphaels-Blatt<< zusammengestellt wurden.
Cahensly setzte sich zudem in der Politik für Auswanderer ein. 1897 verabschiedete der Deutsche Reichstag ein Gesetz über das Auswanderungswesen, welches die Grundlage für das heutige Auswandererschutzgesetz ist.

Außerdem bot der St. Raphaels-Verein durch Vertrauensleute in allen großen Häfen und später auch in Beratungsstellen Auswanderern Unterstützung und Begleitung an. Mitglieder des Vereins sorgten für eine Unterkunft vor und nach der Überfahrt, halfen, gute Schiffsplätze zu bekommen und empfingen die Auswanderer in der neuen Heimat.

Geschichte erleben
Exponate aus der Geschichte des Raphaels-Werkes können Sie heute im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven und in der Auswandererwelt BallinStadt in Hamburg anschauen.

7.000 Auswanderer nach Kanada, Australien oder USA recherchierbar

Datenbank des Raphaels-Werkes und des Erzbistums Hamburg jetzt online

 

In der Auswanderer-Datenbank des Raphaels-Werkes und des Erzbistums Hamburg können fast 7.000 Namen von Menschen, die zwischen 1950 und 1980 mit Hilfe des Raphaels-Werkes ausgewandert sind, online recherchiert werden.

"Im Internet selbst dürfen wir nur Name und Vorname von Personen zeigen. Gegen eine Gebühr von zwölf Euro können Familienangehörige aber den gesamten Datensatz erhalten“, erklärt Martin Colberg, Diözesanarchivar des Erzbistums Hamburg. Im Einzelnen verzeichnet jeder Datensatz beispielsweise Zielland, Herkunftsort, Nationalität, ob ein Flüchtlingsstatus vorgelegen hat oder ob die Person für die Reise Zuschüsse beantragt hat.

Erfasst wurden bisher Personen, deren Nachnamen mit den Buchstaben A bis D beginnen und nach Kanada oder Australien ausgewandert sind, sowie alle über das Raphaels-Werk registrierten Auswanderer nach den USA. Wenn alle Fallakten erfasst sind, können die Daten von etwa 15.000 Personen recherchiert werden. Erreichbar ist die Datenbank im Internet unter www.erzbistum-hamburg.de.

Rund 200 Kartons mit Fallakten des Raphaels-Werkes lagern für die Datenerfassung im Diözesanarchiv.


Entwicklung des Raphaels-Werkes in Zahlen

13. September 1871

Gründung des St. Raphaels-Vereins zum Schutz katholischer Auswanderer auf dem Katholikentag in Mainz durch Peter Paul Cahensly, Kaufmann aus Limburg.

9. Juli 1878

Anerkennung durch Papst Leo XIII

14. Januar 1887

Verabschiedung des neuen Hamburger Auswanderergesetzes

1895

 

 1897


1897
 



bis 1899

Übernahme der Fürsorge für die in Deutschland lebenden italienischen Saisonarbeiter

Gründung des deutschen Caritasverbandes durch Prälat Dr. L. Werthmann

Reichsgesetz zum Schutz der Auswanderer an Bord der Schiffe, die die deutschen Häfen verlassen

 

Gründung weiterer Raphaels-Vereine in Belgien, Österreich und Italien, Slowenien, Tschechoslowakei, Kroatien und Polen

1899

Übernahme der religiösen Fürsorge für die katholischen Seeleute

1914

Geschäftsführung des Vereins von Cahensly an Dr. Lorenz Werthmann, den 1. Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes, Übergabe und Verlegung der Hauptgeschäftsstelle von Limburg nach Freiburg
1918 Gründung einer Reichsstelle für das Auswanderungswesen
1919 Bestätigung des Vereins durch die Deutsche Bischofskonferenz
1921
Einrichtung des Katholischen Auslandssekretariates für Auslandsdeutsche im Raphaels-Verein in Hamburg
1921 Verlegung des Generalsekretariats von Freiburg nach Hamburg, dem >Tor zur Welt<, wegen des erwarteten großen Auswanderungsdrangs
1924 Reichsauswandererschutzgesetz, darin fanden die Beratungsaktivitäten des Vereins und weiterer Auswandererberatungsstellen Berücksichtigung und staatlichen Schutz
1926 Gründung des Raphaels-Heim in Hamburg als katholisches Hospiz für Überseereisende, Stadtbesucher und alleinreisende Damen
25. Juni 1941 Auflösung und Verbot des St. Raphaels-Vereins in Hamburg durch die Gestapo
1941 Schließung der Beratungsstelle in Prag und Internierung der Leiterin im Konzentrationslager Ravensbruck

1947


1951

Wiederaufnahme der Aktivitäten des Vereins und Erneuerung der Bestätigung des Vereins durch die Deutsche Bischofskonferenz

Anerkennung des St. Raphaels-Vereins als einzige katholische Organisation für die Betreuung der Wanderer (Migranten)

1975 neues Auswandererschutzgesetz der deutschen Bundesregierung
1977

Änderung des Namens in
Raphaels-Werk - Dienst am Menschen unterwegs e.V.

1987 erneute Bestätigung des Auftrags durch die Deutschen Bischöfe
1992 Mitglied des European Employment Service-Netzwerkes (EURES) der Europäischen Kommission
2007

bundeszentrale Koordination aller Auswanderungsberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände durch das Raphaels-Werk

2011

140 Jahre Auswandererberatung durch das Raphaels-Werk

 

 

 

 





[ Deutscher Caritasverband e.V. | Wissen ABC | Forum Wissen ABC | FUSE Werbeagentur Hamburg ]